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Buchanmeldung:

Medan segern firades - min mammas historia

von Jens Orback

Bokförlaget Natur och Kultur, 2007
ISBN 978-91-27-09955-5

Schweigend leben und nie klagen
Ein Buch über einen Flüchtling aus Hinterpommern


1945 endete der Zweite Weltkrieg. Im darauffolgenden Jahr begann das große Schweigen für alle, die dieses Elend erlebt hatten, gehungert und gelitten aber überlebt hatten. Dieses gilt auch für die Mutter Katja des Verfassers Jens Orback, die in einer eiskalten Nacht in einer Pferdekoppel sich selbst verspricht nie zu klagen, so lange sie sich an Brot satt essen kann. Nach vielen Jahren Schweigens und häufigen Besuchen in Wittenberg nahe der Grenze an den ehemaligen polnischen Korridor und dem früheren Freistaat Danzig gelingt es Jens, seine Mutter zum Sprechen zu bewegen über das, was geschah, als die Russen im Dorf waren.

Für uns als familiengeschichtliche Forscher und fleißige Suchende nach den Geschehnissen um 1945, einschließlich deren Folgen für die Frauen, die später eine Freistatt oder eine Arbeit in Schweden fanden, ist das Schweigen bekannt. Viele ihrer Kinder bitten uns um Hilfe und sagen: Meine Mutter und mein Vater erzählten uns niemals etwas über diese Zeit und jetzt sind sie tot. Gibt es irgendwelche Möglichkeiten, etwas über ihr Leben während der Kriegsjahre 1939-1945 und danach zu erfahren?

Wir sind Jens Orback und seiner Mutter dankbar dafür, daß sie die Bedeutung eingesehen haben, hiervon zu erzählen. Die Geschichtsschreibung, welche die meisten von uns kennen, ist die Geschichte der Sieger und nicht die der kleinen Menschen, die zu den Verlierern gehörten. Jens Mutter kam 1949 nach Schweden mit dem Schweigen im Gepäck, heiratet 1953 in Stockholm, gebar vier Kinder, die alle ihre Vornamen von einer Tante oder einem Onkel geerbt haben.

Für die heute lebenden Schweden wird es zu einer Geschichtsstunde, in welcher der Freistaat Danzig, die slawischen Kaschuben, die 1945 nicht aus Polen vertrieben wurden, die Deutschen, die in eine polnische Familie eingeheiratet hatten, die Deutschen, die Nazis gewesen, und die Nazis, die nicht Nazis gewesen waren, verständlich beschrieben werden. Vor allem aber lernen wir Katjas Familie kennen. Vater Fritz mit der Erfahrung während des Ersten Weltkrieges in russischer Gefangenschaft gewesen zu sein und danach einige Jahre in Sankt Petersburg gelebt zu haben. Fritz war Lehrer im Dorf und dieses setzte voraus, daß man Mitglied in der NSDAP war. Fritz weigerte sich.

Katjas Mutter, Karin, war die Tochter eines Gutsbesitzers in Prüssau. Einer dieser Gutsbesitzer, welche Hitler mit Vergünstigungen bei guter Laune hielt. Auch Karins Verwandte mußten hierfür zahlen, als die Russen ins Dorf kamen und später, als die Polen an die Macht kamen.

Dieses ist das Buch von Jens Orback. Es handelt von seiner Qual darüber, wie er die Mutter dazu bewegen kann, ihre Geschichte über die einfache Familie Poedkte ihres Vaters und das feine Haus Fliessbach der Mutter. Jens ist fest davon überzeugt, daß es für mentale Gesundheit der Nachfahren wichtig ist, etwas über diesen Teil der Familiengeschichte zu erfahren. Diese beinhaltet auch eine Mühle, in welcher Katja eine Woche Gefangene eines russischen Offiziers war, bevor es ihr gelang zu fliehen. Und in höchsten Grad das Schulhaus, in welchem die Familie wohnte, und daß Vater Fritz ein beliebter Lehrer war. Beliebt auch bei den Polen und Kaschuben, was Fritz jedoch nicht vor der Gefangenschaft bei sowohl Russen wie auch Polen rettete. Das Ergebnis war auf jeden Fall, daß die Einwohner in Wittenberg Fritz darum baten, daß er bleiben solle im Unterschied zu den meisten Deutschen, die vertrieben oder hingerichtet wurden.

Jens Orback grübelt recht viel über die Einstellung seiner Verwandten und der Deutschen zu Hitler und dem Nazismus und ist vorbildlich kritisch und mißtrauisch gegenüber seinen Verwandten im heutigen Deutschland.

Das Buch von Jens Orback wird allen denen, die die schwedische Sprache beherrschen und welche sich für Geschichte, Psykologie oder Genealogie interessieren, aufs Wärmste empfohlen.

Fußnoten:

Danzig war vor 1919 eine deutsche Stadt in Westpreußen. Nach dem Frieden von Versaille wurde der Freistaat Danzig unter dem Schutz der Völkerbundes gegründet. Nach 1945 wurde Danzig, wie die Stadt auf Deutsch heißt, eine polnische Stadt mit dem Namen Gdansk. Im Jahr 1890 gab es 49 Güter im Kreis Danzig.
Wittenberg war vor 1919 ein kleines Dorf in Westpreußen nahe der Küste und der späteren deutschen Grenze zum "polnischen Korridor" (160 Einwohner im Jahr 1890). Nach 1919 ein Dorf in Hinterpommern innerhalb der Grenzen Deutschlands.
Prüssau vor 1919 ein Gutshof in Wetspreußen (131 Einwohner im Jahr 1890) bei Wittenberg. Nach 1919 pommerisch innerhalb der Genzen Deutschlands.
Kurow war ein deutscher Gutshof in Hinterpommern innerhalb der Grenzen Deutschlands (135 Einwohner im Jahr 1890).

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