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Buchanmeldung:

"Herr Isakowitz skatt"
von Danny Wattin

Herausgegeben von Piratförlaget, 2013
ISBN 978-91-642-0395-3

Im Jahre 2015 jährt sich der 70. Jahrestag des größten in moderner Zeit entgegengenommenen Flüchtlingstroms in Schweden. Etwa um die 25.000 ehemaligen Gefangene strömten aus deutschen Konzentrationslagern unter gut über einem Jahr lang zwischen dem Frühjahr 1945 und dem Sommer 1946 ins Land. Viele von ihnen waren in sehr schlechter Verfassung - hatten aber überlebt. Diese "Völkerwanderung" hatte jedoch ein Vorspiel.

Vor der Kristallnacht 1938 in Deutschland, als die Nazis jüdische Synagogen verbrannten, jüdische Geschäfte plünderten und deutsche Bürger, die so genannter jüdischer Rasse waren, ermordeten, waren etwa 1.400 Flüchtlinge, von welchen die meisten politische Flüchtlinge waren, nach Schweden gekommen. Nach den Progromen der Nazis am 9. und 10. November 1938 suchten 1.750 Deutsche und Österreicher Asyl in Schweden. Fast die Hälfte der Gesuche wurden nicht bewilligt. Nahezu alle, die nicht bewilligt wurden, waren Anträge von Juden. Wir können davon ausgehen, daß alle diese und noch mehr später in deutschen und baltischen Lagern ermordet wurden. Einige dieser waren Ahnen von Danny Wattin.

Danny Wattin erzählt humorvoll von den Relationen zwischen Vater/Großvater und Sohn sowie Enkel während einer Reise nach Marienwerder, dem heutigen Kwidzyn im jetzigen Polen. Danny Wattin erzählt aber auch sehr gefühlvoll von den Schicksalen seiner Vorväter, die auf verschiedenen Wegen aus ihrer Heimat flohen, um dem Tod zu entgehen und von denen, welche trotz verzweifelter Bemühungen nicht entkamen, zur unendlichen Trauer der Überlebenden und wie diese Trauer die Überlebenden dann verstummen ließ. Sie schwiegen, um seelisch überleben und um ihren Kindern und Enkeln ein besseres Leben geben zu können.

Wattins Buch ist jedoch nicht nur eine von einer jüdischen Sippe ergeifende und persönliche Erzählung während einer der schwärzesten Zeiten Europas. Am Ende des Buches gibt er Kopien von autentischen Dokumenten sowie, und vor allem, eine imponierende Anzahl Namen von Archiven, Museen und Personen wieder, welche Wattin in der komplizierten Suche nach seinen und seiner Kinder Wurzeln geholfen haben. Nach den Adressen muß man jedoch selbst googeln, was für versierte Forscher nicht schwer ist.

Danny Wattins Buch "Herr Isakowitz skatt" ist aus den verschiedensten Aspekten lesenswert und wird deshalb empfohlen. Leider ist es bisher nur in schwedischer Sprache erschienen.

Copyright © Jürgen Weigle 2014