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Musikerlehrbrief


Das Zeugnis, das dem Musikerlehrling die Türen öffnen sollte!

Gustaf von Gertten:

Jena und Weimar sind im heutigen Thüringen Nachbarstädte und Kulturstätten, die eng mit den größten deutschen Dichtern Goethe und Schiller verknüpft sind. Schiller kam 1789 als Geschichtsprofessor nach Jena. Einige Jahre zuvor hatte er das bekannt Gedicht "An die Freude" geschrieben, welches von Beethoven vertont wurde und welches heute die Hymne der EU ist. Jenas Hochschule wurde im 16. Jahrhundert gegründet und heißt heute Friedrich Schiller Universität. Die Bedeutung der Musik in der deutschen Kultur ist stets zentral gewesen und die Fähigkeiten ihrer Ausüber wurden bereits während deren Lehrzeit begründet. Untenstehender Musiklehrbrief sollte dem Träger die Türen in dessen zukünftiger Laufbahn öffnen. Laut dem schwedischen Dichter Gustaf Fröding darf man jedoch nicht vergessen, daß "das, was in Berlin und Jena Wahrheit ist, ein schlechter Witz in Hamburg ist".

Musikerlehrbrief
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Hans Krüger:

Gustaf Eichbaum hat auf dem Forum des Vereins G-gruppen von diesem Lehrbrief berichtet und diesen wie folgt beschrieben:
Musikerlehrbrief vom Jahre 1752 aus Jena im Format 42,5 X 56 cm, mit zwei in roter Tinte eingefügten Federzeichnungen. Stadtkern von Jena und einen Viola da Gamba spielenden Musikanten in prächtiger Kleidung, eine Pelzmütze auf dem Kopf. Pergament unter Signatur H.A.-Urkunden 8168 Archiv der Stadt und des Landes Wien, Österreich: veröffentlicht in: Mitteldeutsche Familienkunde, Band IV, Jg. 14, Heft 4, Okt./Dez. 1973 SS.145-148 durch Hanns Jäger-Sunstenau, Wien.

Der Lehrbrief wird hier mit freundlicher Genehmigung des Wiener Stadt- und Landesarchivs veröffentlicht.

Gustaf Eichbaum hat auch die folgende Deutung des Textes besorgt:

Ich Johann Nikolaus Venus, der Zeit bestelter Stadt Musicus instrumentalis bey der fürstl. Sächs. Residenz- und Universitaets Stadt Jena, uhrkunde und bekenne hiermit, daß Vorzeiger dieses offenen Briefes Justinus Schieck, von Großen Lupnitz bürtig, den 16ten Julii 1746 auf sechs Jahr, um bey mir binnen solcher Zeit die hochbelobte Instrumental-Kunst so viel als einem Musico von Nöthen und zu dieser löbl. Profession dienet, ehrlich und rechtschaffen zu erlernen vermöge eines von ihm und in Beyseyn und Gegenwart einiger mit dabey gewesener Musicorum instrumentalium, als Herrn Samuel Becks, Herrn Georg Kellners, Herrn Andreas Benks, Herrn Balthasar Rosens und des kaiserl. Notarii und fürstl Sächs. Hofgerichts Procuratoris Herrn Johann Christian Leutholds, auch noch andern Herren Zeugen und meiner, auch dessen Vaters Meister Johann Schiecks, Hufschmidts zu Großen Lupnitz, ordentlichen Lehr-Contracts und respective Aufgedinge-Briefes sich in die Lehre begeben. Nachdem nun derselbe seine sechsjährige Lehr-Zeit ehrlich und redlich ausgestanden, auch in währenden seinen Lehr-Jahren sich ehrbar, gottesfürchtig, getreu, fleißig und gehorsam verhalten, dergestalt, daß ich und sonst männiglich mit ihm wohl ufrieden gewesen und mit Bestande der Wahrheit ihm nichts unrechtes, noch ungleiches nachzusagen weiß, nichts weniger seine erlernte Kunst also begriffen, daß er damit bestehenn und fortkommen kann. Als habe ich auch vorbenannten Justinus Schiecken wegen seiner wohl ausgehaltenen Lehre nunmehro nicht nur öffentlich hiermit und Krafft dieses loszehlen, freysprechen und seines Wohlverhaltens halber bestens recommendiren, sondern auch zu Steuer der Wahrheit demselben mit gegenwärtigen Lehr-Brief an Handen zu gehen nicht ermangeln wollen. Gelanget derowegen an alle und jede, wes Standes und Würden sie seyen, in Sonderheit aber an diejenigen, welche dieser löblichen Kunst und Profession verwand und zugethan sind, mein respective dienst- und freundliches Ersuchen, Sie wollen diesem ausgestellten Lehr-Briefe in allen vollkommenen Glauben geben und mehrerwähnten Justinus Schiecken als nunmehr angehenden Gesellen wegen seines Wohlverhaltens und redlich auch wohlerlernten Kunst und Profession alle Gunst und Beförderung, auch geneigten guten Willen erweisen und dieser meiner Intercession fruchtbarlich genießen lassen, welches Er jederzeit mit treuschuldigsten und gehorsamsten Diensten zu erkennen beflissen seyn wird. Ich aber werde davor und in alle Wege zu angenehmen reciprocirlichen Dienstleistungen und Gefälligkeiten mich so willig als schuldigst finden lassen. Zu Uhrkund dessen und mehrer Beglaubigung habe ich diesen Lehr-Brief nebst denen hierzu requirirten und gebethenen Herren Zeugen eigenhändig unterschrieben und besiegelt ausgestellet. Geschehen Jena, den 15ten Julii Eintausend Siebenhundert und zweyundfünfzig.

Johann Nocilaus Venus, som läromästare
Michael Wiener, kyrkomusiker
Johann Wilhelm Francke, kantor (1748-1755+)
Wilhelm Friese, juris kandidat
Johann Heinrich Möller, ställföreträdande organist
Gottfried Venus, juris studerande
Johann Christian Leuthold, "som obligatoriskt vittne"
Münsterberg, juris studerande
Johann Georg Kellner, kyrkomusiker
Wilhelm Venus, litteratur kandidat
Johann August Werner, kyrkomusiker
Venus, medicine studerande
Heinrich Gottfried Werner, kyrkomusiker
Felix Oßwalt, guldsmidesarbetare

Stand 1. April 2007. Copyright © 2007 G-gruppen